Gladbecker Geschichte - in aller Kürze

Auszug aus dem Werdener UrbarDer Ort Gladbeck taucht in der Schriftsprache erstmals zwischen 880 und 920 n.Chr. auf. In einem Güterverzeichnis (Urbar) des Klosters werden ist festgehalten, dass ein gewisser Dindo dem Kloster Güter in "gladbeki" vermacht habe. Eine kleine Kirche, dem Heiligen Lambertus gewidmet, stand seit der Mitte des 9. Jahrhunderts unmittelbar neben einem glatten, hellen Bach, der Gladebecke. Nur wenige Meter nördlich von der Kirche verlief ein alter Heeres- und Handelsweg: der Vestische Hellweg, der von Oberhausen bis Hamm reichte. Um die Kirche herum, mit einem Schwerpunkt südlich der Kirche, entstand eine kleine, zusammenhängende Siedlung, das Kirchdorf Gladbeck. Mit entscheidend dafür, dass es sich hier entwickelte, war die Tatsache, dass nordöstlich unweit der Kirche eine fränkischer Reichshof, der Abdinghof, gelegen hat. (Foto: Auszug aus dem Werdener Urbar)

Das Kirchdorf Gladbeck kurz vor der IndustrialisierungDas gesamte "Kirchspiel Gladbeck" bestand neben dem Kirchdorf aus fünf Bauernschaften: Zweckel (der Schweine-Eichenwald), Rentfort (Rinderfurt), Ellinghorst (Erlenwald), Butendorf (die Siedlung außerhalb des Dorfes) und Brauck (die Bruchlandschaft). Die Menschen lebten von Ackerbau und Viehzucht. Ein Rittersitz ist seit dem 13. Jahrhundert bezeugt: Haus Wittringen. Seit 1180 bis 1802 gehörte Gladbeck mit dem Vest (alter Gerichtsbezirk) Recklinghausen zum Territorium des Erzbischofs von Köln. Bis zur territorialen Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress (1815), mit der Gladbeck endgültig zur Preußischen Provinz Westfalen kam, waren der Herzog von Arenberg (bis 1811) und der Großherzog von Berg Landesherren. (Gemälde: Das Kirchdorf Gladbeck kurz vor der Industrialisierung)

BevölkerungsentwicklungDie sozio-ökonomische Struktur Gladbecks blieb von der ersten schriftlichen Nennung bis zum Beginn der Industrialisierung nahezu 1000 Jahre unverändert. Die Menschen lebten in einer reinen Agrarwirtschaft. In diesen Jahrhunderten entwickelte sich die Bevölkerung von (geschätzt) ca. 1.500 Einwohnern (um 1575) bis auf 2.749 im Jahre 1870. Gladbeck erlebte natürlich die Auswirkungen der allgemeinen Geschichte, ganz egal ob spanisch-niederländischer Krieg, Dreißigjähriger Krieg oder die regelmäßig wiederkehrenden Kriege des 18. Jahrhunderts.

Die Zeche Graf Moltke I/II an der Horster Straße im Jahr 1926Erst im 19. Jahrhundert machten sich mit der beginnenden Industrialisierung allmählich gesellschaftliche Veränderungen bemerkbar. Radikalen Wandel brachte aber erst der Bergbau. Er erreichte Gladbeck, von Süden kommend, kurz nach der deutschen Reichseinigung. Am 3. Oktober 1873 begann man Gladbecks erste Zeche abzuteufen, die später den Namen Graf Moltke I/II trug. Kohle wurde ab 1878 gefördert. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs kamen vier weitere Zechen (Graf Moltke III/IV, die Schachtanlage Möller, Mathias Stinnes III/IV und die Schachtanlage Zweckel) hinzu. Die Einwohnerzahl explodierte jetzt förmlich. Sie stieg von 2,749(1870) auf über 52.000 (1915). (Foto: Die Zeche "Graf Moltke I/II" an der Horster Straße im Jahr 1926)

Wittringen aus der Luft um 1930Gladbeck war am 1. April 1885 zu einem eigenständigen Amt erhoben worden. Am 21. Juli 1919 verlieh der Preußische Innenminister Gladbeck die Stadtrechte. Die Zeit der Weimarer Republik wurde trotz einer politisch sehr unruhigen Anfangszeit zu einer Blüte- und Aufbruchphase der Stadtpolitik. In den wenigen "Gestaltungsjahren" entwickelte sich Gladbeck von einer industriellen Streusiedlung zu einer vom Bergbau geprägten Gesamtgartenstadt, in der die Bergarbeitersiedlungen zur typischen Lebens- und Siedlungsform wurden. Die Durchgrünung des Stadtbildes wurde zum einheitlichen Gestaltungsmerkmal erhoben und systematisch fortgeführt. Die Entwicklung des Wittringer Waldes zu einem modernen, kulturell gestalteten Naturraum, wurde zum Leitgedanken für das Leben in der Bergbaustadt. (Foto: Wittringen aus der Luft um 1930)

Mit der Weltwirtschaftskrise (1929) und schließlich spätestens mit der Machtübernahme von Hitlers NSDAP Ende Januar 1933 hörte diese Entwicklungslinie abrupt auf. Mit terroristischen Mitteln wurden auch in Gladbeck politische Gegner der NSDAP verfolgt und getötet, fanden alle Formen rassistischer Ausmerze, angefangenen von Zwangssterilisationen nach dem "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" bis hin zur Ausgrenzung und Deportation der jüdischen Bevölkerung statt. Mit dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) begann ab 1941 auch für Gladbecks Zivilbevölkerung eine neue Dimension der Kriegserfahrung: der Bombenkrieg. Als Gladbeck am 29. März 1945 durch amerikanische Kampftruppen von der Nazi-Herrschaft befreit wurde, war die Stadt zu 44 % zerstört. Über 1.000 Gladbeckerinnen und Gladbecker waren dem Bombenkrieg zum Opfer gefallen und weit über 1.500 Männer an den Fronten getötet worden. In Gladbeck starben aber auch über 800 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter die in über 30 Lagern unterschiedlicher Größe auf dem Stadtgebiet gelebt hatten. Insgesamt 14.000 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter wurden von den alliierten Truppen Ende März 1945 in Gladbeck befreit.

Nach der NS-Herrschaft und den ersten harten Nachkriegsjahren erlebte Gladbeck eine "zweite Industrialisierungsphase". Steinkohle war der Grundstoff des Wiederaufbaus und des Wirtschaftswunders. Die Zechen erlebten einen ungeheuren Boom und konnten auf das große Arbeitskräftepotential der Heimatvertriebenen zurück greifen. Gladbecks Einwohnerzahl stieg in diesen Jahren von 60.000 (Vorkriegsstand) auf über 84.000 im Jahre 1960.

Rathaus zu Beginn der 1960er JahreAuf dem Höhepunkt des Wirtschaftswunders deutete sich gegen Ende der 1950er Jahre die Strukturkrise des deutschen Steinkohlebergbaus an. In Gladbeck schlossen zwischen 1963 und 1971 alle Bergwerke. Damit gingen knapp 13.000 Arbeitsplätze verloren. Dennoch war von großer Arbeitslosigkeit kaum etwas zu bemerken. Der Strukturwandel war parallel zur Bergbaukrise aktiv eingeleitet worden. Neue Arbeitsplätze waren in der chemischen Industrie, der Bauwirtschaft, der Textilindustrie und der allgemeinen Industrieproduktion (Beispiel: Siemens) entstanden. (Foto: Rathaus zu Beginn der 1960er Jahre)

Glabotki is nich, Demonstration am 10. Dezember 1975Nach dem gelungenen Strukturwandel drohte der Stadt das endgültige Aus. Im Zuge der kommunalen Neugliederung des Landes Nordrhein-Westfalen sollte Gladbeck mit Bottrop und Kirchhellen zur neuen Stadt Bottrop vereinigt werden. Vom 1. Januar 1975 trat die vom Landtag nach heftigen Diskussionen beschlossene Regelung in Kraft. Der alte Gladbecker Stadtrat hatte allerdings Verfassungsklage gegen das Gesetz eingelegt. Das Landesverfassungsgericht erklärte das Gesetz am 6. Dezember 1975 (Nikolaus-Urteil) für nicht mit den Grundsätzen der Landesverfassung vereinbar und somit für nichtig. Die notwendige Gesetzesreparatur führte 1976 dazu, dass Bottrop und Kirchhellen nunmehr die neue Stadt Bottrop bildeten, Gladbeck aber eine selbstständige Stadt blieb, jetzt allerdings als kreisangehörige Stadt im Kreis Recklinghausen. (Foto: Glabotki is nich, Demonstration am 10. Dezember 1975)

Gladbeck ist heute eine moderne Industriestadt mit knapp 78.000 Einwohnern am nördlichen Rand des Ruhrgebietes. Gladbeck verfügt über ein lebendiges Stadtzentrum mit gutem Einkaufs- und Aufenthaltswert, lebenswerte Stadtteile mit hoher Wohn- und Freizeitqualität sowie über ein gutes Bildungs-, Sport- und Kulturangebot.

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